Die Geschichte unseres Hauses in der Zunzinger Straße 1

Ein Haus mit Geschichte – und mit vielen Menschen
Das Gemeindehaus der Liebenzeller Gemeinde Müllheim blickt auf eine lange Geschichte zurück. Seit mehr als 150 Jahren ist es ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, Gemeinschaft erleben und ihren Glauben miteinander teilen.
Die Anfänge der Gemeinschaft reichen vermutlich bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Damals entstanden im badischen Raum neben den volkskirchlichen Strukturen vielerorts landeskirchliche Gemeinschaften, in denen Christen zusammenkamen, um gemeinsam in der Bibel zu lesen, zu beten und ihren Glauben zu leben. Auch in Müllheim stand eine solche Gemeinschaft. Zunächst traf man sich in Privathäusern – unter anderem im Haus einer vermögenden Frau namens Willin.
1871–1876: Unser Gemeindehaus entsteht
Mit der Zeit wuchs die Gemeinschaft so stark, dass ein eigenes Haus benötigt wurde. Zwischen 1871 und 1876 entstand deshalb das Gemeinschaftshaus in der heutigen Zunzinger Straße 1. Finanziert wurde der Bau vor allem durch Frau Willin. Viele Mitglieder der Gemeinschaft beteiligten sich darüber hinaus mit Gaben, bei den Bauarbeiten und durch ganz praktischen Einsatz. So entstand ein Haus, das von Anfang an nicht allein aus Steinen gebaut war, sondern durch die Zusammenarbeit und Hingabe vieler Christen.
Ein Zuhause für Gemeinde und Mission
Nach dem Einzug in das neue Haus übernahm Eduard Holdermann die Leitung der Gemeindearbeit und wirkte von 1875 bis 1907 in Müllheim. Zuvor war er als Kur- und Gemeinschaftsprediger in Badenweiler tätig gewesen. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Arbeit in Müllheim weiter. Später folgte Dietrich Witt, der eng mit der Liebenzeller Mission verbunden war und insgesamt 44 Jahre – von 1908 bis 1952 – in Müllheim wirkte.
Das Haus war dabei von Anfang an mehr als nur ein Versammlungsort. Im großen Saal fanden sonntags Gottesdienste statt. Menschen begegneten einander, hörten auf Gottes Wort und fanden hier eine geistliche Heimat.

Vom Gemeindehaus zum Kinderheim
Im Laufe seiner Geschichte übernahm das Gebäude noch weitere Aufgaben. Während der Zeit von Prediger Dietrich Witt wurde das Gemeinschaftshaus zusätzlich als Kinderheim genutzt. Von 1929 bis 1944 lebten hier zunächst Kinder von Missionaren, die in verschiedenen Ländern tätig waren. Später, von 1947 bis 1968, fanden auch Flüchtlingskinder und andere Kinder vom Fürsorgeamt in diesem Haus ein Zuhause.
Damit war unser Haus über viele Jahre nicht nur ein Ort des Gottesdienstes, sondern im ganz wörtlichen Sinne ein Zuhause für Kinder. Der jeweilige Prediger übernahm als Hausvater die Verantwortung für die Kinder und versah zugleich seinen pastoralen Dienst in der Gemeinde.
Ein Ort der Begegnung über Generationen hinweg
Später wurde das Haus auch als Freizeitheim genutzt. Zugleich weitete sich die Gemeindearbeit über Müllheim hinaus aus. So entstand ein kleinerer Kreis in Niederweiler; seit 1975 gab es außerdem eine Bibelstunde in Staufen.
Ein altes Haus – eine lebendige Geschichte
Wenn die Mauern unseres Hauses erzählen könnten, hätten sie viel zu berichten: von Menschen, die hier gebetet und gesungen haben, von Kindern, die hier aufgewachsen sind, von Predigern und Missionaren, von Gottesdiensten und Bibelstunden, von gemeinsamen Mahlzeiten, Begegnungen und Ausflügen – und von vielen Menschen, deren Namen heute längst vergessen sind.
Gerade ihnen verdanken wir viel. Die alte Chronik erinnert daran, dass neben den wenigen namentlich überlieferten Personen unzählige Menschen durch ihre Mitarbeit, ihre Gaben, ihre Gebete und ihren persönlichen Einsatz dazu beigetragen haben, dass dieses Haus und die Gemeinde über Generationen hinweg bestehen konnten.
Die Geschichte darf weitergehen!
Auch heute ist unser Gemeindehaus ein Ort der Begegnung.
Vieles hat sich in mehr als 150 Jahren verändert: das Gebäude, die Menschen, die Generationen und auch die Formen des Gemeindelebens. Geblieben ist der Wunsch, dass Menschen in diesem Haus gemeinsam Glauben leben, Gemeinschaft erfahren und Jesus Christus kennenlernen – und durch ihn Vergebung und Versöhnung erfahren und aus dieser Versöhnung und Vergebung heraus leben.
Das wünschen wir uns auch für die kommenden Generationen: dass dieses ‚alte‘ Haus ein ‚lebendiger‘ Ort bleibt, an dem Menschen Gott begegnen, miteinander unterwegs sind und ein geistliches Zuhause finden.
So verbindet unser Haus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Dankbar blicken wir auf das zurück, was Menschen vor uns aufgebaut und weitergegeben haben. Zugleich sind wir gespannt darauf, wie Gott die Geschichte dieses Hauses und unserer Gemeinde weiterschreiben wird.
Denn für uns ist unsere „History“ immer auch Teil von „His Story“ – Gottes Geschichte mit uns Menschen.

